Tausendundein Weg um den Montblanc

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Die Montblanc-Gruppe ist eines der eindrucksvollsten Gebirge der Alpen. Die Rund­wanderung um das höchste Bergmassiv Europas, durch berühmte Landschaften und vergessene Winkel, entfaltet Stück für Stück die gewaltige Symphonie eines großen Gebirges.

Eine Rundwanderung um den Mont­blanc ist stets eine Herausforderung. Doch viele Möglichkeiten bieten sich dazu an. Der »Weg der Gletscher« folgt den Relikten der alpinen Eiszeiten. Hier präsentiert sich der Montblanc als gi­gantische Eiskuppel, unterbrochen von gewaltigen granitnen Strebepfeilem. Kaskadenartig ergießen sich die Eis­ströme über die zerrissenen Serakzonen. Jeder Gletscher hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene Farbe. So ver­birgt sich der Miages-Gletscher völlig unter einem Mantel aus Schutt und Blöcken, während das Chaos des Bosses-Gletscher bis in den Wald von Chamonix hinabreicht, der Lindwurm des Mer de Glace ist die Antipode zum geradlinigen Trient-Gletscher.

Col Ferret to Rifugio Elena 01Nicht nur die Gletscher, auch eine Wanderung durch die wilden Talbuch­ten eröffnet einen umfassenden Einblick in den Charakter des höchsten Gebirges der Alpen. Die Flora wechselt je nach Saison ihr Bild. Durch malvenfarbige Weidenröschenfelder wandern wir hinauf nach »Le Tour«, einem kleinen Dorf, wo sich eindrucksvoll das Blau­violett der Enziane mit den Farben von Almrausch und Thymian mischt. Der »Weg der Botaniker« führt in einen Blumenfarbenrausch.

Fernab der vielbegangenen Wan­derwege spielt sich während der Som­merzeit das Tierleben ab, allein das schrille Pfeifen der Murmeltiere, die Flugbahnen von Mauersegler und Dohle sowie einige Schlangen beleben die Pfade.

Wir wollen die Ausläufer der vom Montblanc herabziehenden Bergmassive, mit ihren Pässen und Tälern durch­wandern und begeben uns auf einen Rundweg, der uns in Col des Foursrhythmischem Auf und Ab das großartige Schauspiel des eindrucksvollsten Gebirges der Alpen auftut.

Mit dem Rucksack auf dem Rücken brechen wir von Argentière auf Rich­tung Schweiz, genauer nach Trient. Der erste Tag, und damit die Über­schreitung des Col de Balme sollte dazu dienen, etwas Kondition zu sammeln. Am zweiten Tag steigen erfahrene Wanderer über das »Fenêtre d’Arpette«, wo auf Steinschlag geachtet werden sollte, während weniger Ambitionierte von Bovine absteigen, um am Abend in Champex d’en Haut, in der Jugend­herberge, wieder mit den Bergwanderern zusammenzutreffen. Diese waren dem Trient-Gletscher ins Tal gefolgt, wäh­rend die anderen aus dem Tal den steten Blick hinauf in die Gletscherwelt genossen.

Val Veny mit Col de la Seigne 01Das Schweizer Val Ferret hat seinen ursprünglichen Charakter be­wahren können, die kleinen Dörfer ihren alten Stil beibehalten. Nach der »Dalle d’Amone«, wo man den Klette­rern zuschauen kann, markiert La Fouly das Ende eines weiteren Wandertages. Bei Sonnenaufgang bereits brechen wir auf, um hinaufzusteigen zum Col Ferret, der die Grenze zwischen Italien und Schweiz markiert.

Drüben, im italienischen Val Fer­ret, wird die Landschaft wärmer, beleb­ter. Das asphaltierte Sträßchen entlang der Doire wimmelt von hupenden Autos. Doch wir folgen dem gewun­denen Weg hinauf zur Alpe Armina, und schnell kehrt die Ruhe wieder zurück.

Val FerretNördlich des Tales steht das gewal­tige, dreigipflige Massiv der Grandes Jorasses. Ihr Panorama begleitet uns hinab in den Talgrund, wo wir bei einer Wegteilung nach rechts abbiegen, um zum Col Sapin aufzusteigen. Durch den Dunst scheint der Mont Chétif herüber, der das Örtchen Courmayeur markiert, wohin wir über den »Plan Cheerouit« einen Blitzbesuch abstatten.

Tausendundein Weg um den Montblanc 01Die Terrassen des Val Veni bringen uns immer näher an den Montblanc, der lange Grat von Peuterey, durch den Zacken der »Noire« und den Schnee­gipfel der »Blanche« gekennzeichnet, mündet ganz droben in die Kuppel des Montblanc — eine schwebende Insel.

Solch Schauspiel läßt schnell alle Mü­hen der Auf- und Abstiege vergessen.

Vom unteren »Arp Vieille« unter­bricht das Smaragdgrün des Miage-Sees das Schuttgrau des gleichnamigen Glet­schers. In der Ferne liegt das Refuge Elisabeth, eine in der Sommersaison meist übervölkerte Berghütte. Der Col de la Seigne markiert den Übergang nach Ville des Glaciers, hier wird die Landschaft erneut steinig, rauh und trocken.

Col de la SeigneAm Col des Fours können wir durchaus auf Schnee treffen. Wir über­schreiten den Col du Bonhomme, und hier scheint wieder die Sonne über den Balme. Ein bequemer Wanderweg leitet nun hinab nach Contamines und weiter zum Col de Voza. Wir haben unsere Wanderung in Argentière zu Fuß begon­nen, wir haben das gewaltigste Berg­massiv der Alpen umrundet, nun wollen wir auch der Versuchung der wartenden Seilbahnen widerstehen und zurück­wandern nach Chamonix.

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