Gran Canaria – Bergparadies für Entdecker

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Gran Canaria ist nach Mallorca die zweitliebste Insel der Deutschen. Grausam denkt man: Hotelburgen, überfüllte Strände und deutsche Speisekarte – doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Schon wenige Kilometer abseits der Touristenzentren ist man allein in prächtiger Natur.

Dort ist der Weg!“, ruft Werner und zeigt auf einen mit hohen Gräsern überwachsenen Jägersteig. Als Weg schwer zu erkennen, flößt uns dieser Pfad wenig Vertrauen ein. Ob der nicht nach ein paar Hundert Me­tern im Nirwana endet? Doch Werner ist sich sicher und wir verlassen uns auf ihn, schließlich ist er unser Guide, der Gran Canaria schon vor unserer Ankunft „abgewandert“ und uns die schönsten Trekkingrouten zusammen­gestellt hat.

Zum Roque Nublo

Wir sind auf dem Weg zum Roque Nublo (1813 m), dem markanten zweiteiligen Fingermonolith und Wahrzeichen von Gran Canaria. Von dem kleinen Bergdorf La Culata (1200 m) wandern wir auf einem Ziegenpfad durćh die dichte Vegetation: hohe Gräser, Ginsterbüsche, Wolfsmilch­gewächse und über uns die Schatten spendenden Äste der Kanarischen Kiefer (Pinus canariensis). Diese statt­lichen, zum Teil hellgrünen Bäume sind typisch für die gesamten Kana­rischen Inseln. An den extrem langen Nadeln kondensiert die Luftfeuchtig­keit und tropft zu Boden. So erhalten die Pflanzen auch ohne Regen ausrei­chend Wasser und versorgen andere Gewächse auch noch mit Feuchtigkeit. Wir haben Ende Oktober und an die frühsommerlichen Temperaturen hier müssen wir uns erst gewöhnen, daheim in Deutschland herrschte schon graues Mantel-Wetter. Etwa zwei Stunden folgen wir Werner durch diesen ver­wunschenen Zauberwald. Immer wie­der haben wir einen herrlichen Blick auf den Barranco und die mit Mau­ern befestigten Terrassen. Langsam verändert sich die Landschaft, wird immer steiniger, karger. Jetzt erreichen wir das gigantische Felsplateau, von dem aus sich die bizarren Basalt­monolithen erheben. Unwirklich, sehr archaisch wirkt die Gegend auf uns. Und tatsächlich ist der Roque Nublo, der „Wolkenfels“, das letzte Über­bleibsel eines Urvulkanschlots.

Majestätisch wirkt er, der „Wol­kenfels“. Seinen Namen hat der mar­kante Stein von den wolkenähnlichen Nebeltüchern, die ihn zeitweise ver­hüllen und das felsige Areal noch mys­tischer wirken lassen, als es bei klarer Sicht schon ist. Die Guanchen, Urein­wohner der Kanarischen Inseln, sollen hier eine Kultstätte gehabt haben, an der sie um Regen beteten. Dem Nublo zugeneigt steht ein weiterer Monolith, der sogenannte „Rana“ (Frosch), weil er — mit einer guten Portion Fantasie — als Frosch gesehen werden kann. Nicht weniger imposant der bizarr zerklüftete „Fraile“, den die Canarios als betenden Mönch erkennen.

Heute ist von Nebelschwaden kei­ne Spur zu sehen, der Himmel leuchtet tiefblau, wir legen eine Pause ein und machen uns über die „bocadillos con jamón“ (Schinken-Sandwiches) her, die wir von unserem Hotel mit­bekommen haben. Doch schon bald erinnert uns Werner an den Abstieg: Diesmal führt er uns nicht über einen seiner Spezialpfade, sondern wir neh­men den bekannteren Weg über den Stausee Embalse los Hornos. Hier am Aussichtspunkt geht es ziemlich tou­ristisch zu, wir gönnen uns ein Eis und steigen auf dem einladenden Camino Real weiter abwärts zum Cruz Gran­de (1228 m). Mittlerweile ist es früher Nachmittag und sehr heiß, in vielen Stufen zieht sich der ehemalige Kö­nigsweg durch die typisch kanarische Pflanzenwelt: Hier gedeiht, was pralle Sonne abkann und wenig Wasser braucht: heckenartige Ginsterbüsche, haushohe Agaven und viele Wolfs­milchgewächse, unter denen beson­ders die kandelaberförmige Euphorbia Canariensis hervorsticht. Mehr als 500 endemische Pflanzenarten gibt es auf den Kanarischen Inseln, was der Abgeschiedenheit dieser Vulkaninseln und ihrer besonderen geografischen Lage zwischen Golfstrom und Sahara zu verdanken ist. Werner hat sich gut eingearbeitet: Immer wieder macht er uns auf die Besonderheiten der Flora aufmerksam.

Zurück ins Hotel geht es mit dem Bus. Raus aus den Bergschuhen und rein in den Pool — nach dieser fünf­stündigen Wanderung haben wir uns den Nachmittag im Liegestuhl unseres sehr angenehmen Vier-Sterne-Hotels redlich erarbeitet.

Wandern und Baden

Am nächsten Tag geht es Richtung Norden in das Städtchen Gáldar, das in der vorspanischen Zeit Haupt­stadt eines der beiden Inselkönige von Gran Canaria war. Im Innenhof des Rathauses wächst der prominenteste Drachenbaum der Insel: Drago Mile­nario —

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